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Biomonitoring mit Bienen
Luftqualitätsüberwachung der etwas anderen Art

 
Seit Ende 2005 unterhält Düsseldorf Airport vier Bienenvölker zur zusätzlichen Überwachung der Luftqualität rund um den Flughafen. Den dabei gewonnenen Honig lässt der Airport regelmäßig von Fachlaboren auf mögliche Schadstoffbelastungen untersuchen. Die Bienen sind kein regulärer Bestandteil der technischen Systeme zur Überwachung der Luftqualität, aber sie fungieren sozusagen als biologische Ergänzung der Luftüberwachungssysteme des Airports. Sie liefern einen „griffigen“, für jedermann nachvollziehbaren und darüber hinaus leckeren Nachweis für die einwandfreie Qualität der Luft am Airport. Wer sich sorgt, dass der Flugbetrieb bzw. die dabei anfallenden Emissionen die umliegenden Grundstücke, Weiden und Äcker in besonderer Weise belasten, kann anhand der Honigqualität feststellen, dass diese Sorgen unbegründet sind.

Das sogenannte Biomonitoring, also die regelmäßige und standardisierte Überwachung von Pflanzen und Tieren sowie deren Produkte zur Evaluierung des Zustandes eines klar definierten Areals - sei es ein Gewässer oder ein bestimmter Landstrich - gehört in Deutschland mittlerweile zum festen Instrumentarium einer umfassenden Umweltüberwachung. Seit den 60-er Jahren hat das Biomonitoring in der Arbeits- und Umweltmedizin kontinuierlich an Bedeutung gewonnen, ab Ende der 70-er Jahre wurden dafür Standards und Grenzwerte entwickelt.

 
Informationen über die umliegenden Gärten
Durch die Analyse des Honigs und der Pollen lassen sich Erkenntnisse über die Schadstoffbelastung der Gebiete gewinnen, die Bienen auf ihren Nahrungsflügen besuchen. Das Biomonitoring mit Bienen gibt also Auskunft über die Belastung der gesamten Umgebung – nicht nur des Flughafengeländes, sondern auch der umliegenden Gärten, Wiesen und Äcker. Wichtig: Bei diesem Verfahren lässt sich nicht zwischen einzelnen Emittenten unterscheiden, zumal die Rückstände aus Verbrennungsmotoren – ob nun von einem Auto oder einem Flugzeug – ohnehin dieselben sind. Das heißt, die Untersuchung des in der Flughafenumgebung gewonnenen Honigs erfasst Schadstoffe unabhängig von ihren Quellen.

Der Vorteil einer solchen Honig- und Pollenuntersuchung liegt auf der Hand: Anders als punktuelle Untersuchungen, die sich naturgemäß nur auf relativ kleine, eng begrenzte Areale beziehen können, erlaubt die Untersuchung von Honig und Pollen Rückschlüsse über die Belastung eines großen Gebietes. Darüber hinaus zeigt die Untersuchung, welche Pflanzen die Bienen besucht haben.
 

Auf der Suche nach Nahrung fliegen Bienen je nach Futterangebot regelmäßig eine Fläche von bis zu 30 Quadratkilometern ab, pro Tag unternimmt eine Biene etwa 40 Ausflüge und besucht dabei mehrere tausend Blüten. Bienen nehmen den Nektar einer Blüte mit ihrem Saugrüssel auf und vermischen ihn mit dem Sekret ihrer Kopfspeicheldrüse. Dieses Sekret enthält unter anderem Enzyme, mit deren Hilfe der Nektar in Honig umgewandelt wird. Insofern wirken Bienen als Biofilter und Bioindikator, in dem sich Schadstoffe absetzen und über den Honig evaluiert werden können.

Seit Jahren konstante Honigernte

Die vier Bienenvölker, die der Flughafen seit 2005 unterhält, sind jedoch trotz der unterstellten schädlichen Einflüsse durch den Flugbetrieb offensichtlich gesund. Denn die Menge des jährlich geernteten Honigs liegt kontinuierlich bei 120 bis 130 Kilogramm. Das lässt auf eine konstante Bienenpopulation schließen, was wiederum bedeutet, dass sowohl das Nahrungsangebot, also der Pflanzenbestand im beflogenen Gebiet, als auch die allgemeinen ökologischen und meteorologischen Verhältnisse gleich gut geblieben sind.

 

Derzeit unterhalten zehn deutsche Flughäfen Bienenstöcke und lassen den gewonnenen Honig durch Fachlabore untersuchen. Das macht seit 2005 auch Düsseldorf Airport, im Frühjahr 2006 wurde die erste Ernte "eingefahren".

 

TV-Berichte zum Biomonitoring am Düsseldorfer Airport