23 Das Magazin. Für Kunden, Gäste und Besucher des Flughafens Düsseldorf International Juli 2008 SAS Drei Ziele ab DUS: Kopenhagen, Oslo und Stockholm Elisabeth Milton Hemmingsen SAS General Manager Germany ,,SAS ist ein Stück Skandinavien." Stockholm Le Caravelle Club Mit Flughafenplan und Miniposter Lufthansa A340 IHK Düsseldorf Boarding for Business Messe Düsseldorf drupa city Editorial Rückblick Start auf der Runway 25L, danach in eine Rechtskurve über den Rhein und weiter Richtung Nordost. Knapp zwei Stunden dauert der Flug von Düsseldorf in die schwedische Hauptstadt Stockholm. Mit SAS und Lufthansa bieten zwei Carrier dieses Ziel an. Lieb e Leserin, lieber Leser, die Wünsche der Kunden erfüllen, das ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg. Auch bei einer Kundenzeitschr ift. Dazu muss man diese Wünsche aber zuerst einmal kennen. Deshalb liegt dieser Ausgabe ein Fragebogen bei. Bitte machen Sie bei unserer kleinen Meinungsfor schung mit und schicken das ausgefüllte Blatt wieder zurück. Die Lufthansa hat offensichtlich die Kundenwünsche genau getroffen. Die drei Interkontstrecken nach Nordamer ika sind gut gebucht. Wir stellen Ihnen Miami das übrigens auch von LTU/Air Berlin angeflogen wird ab Seite 14 genauer vor und blicken ein wenig hinter die Kulissen des Erfolgs, in unserem Portrait üb er Carsten Wirths, den ,,WachstumsManager". Spezialisten für das Thema Wachstum gibt es auch bei der hiesigen Industr ie und Handelskammer. Wir schauen auf einige der zahlreichen inter nationalen Aktivitäten der IHK und ihr Präsident Professor Ulrich Lehner erläutert, welche Rolle ein starker Flughafen dabei spielt. Leise Töne im Terminal. Auch das gibt es in Düsseldorf. Unser Airport ist wahrscheinlich der Einzige an dem ein ausgebildeter Pianist regelmäßig spielt. ,,Melodien für Millionen" heißt die Geschichte über den iranischen Musiker Haik Hakopian. Airline s waren und sind immer nationale Symbole. Eine Fluglinie repräsentiert ihr Land. Ganz anders in Skandinavien, wo sich schon sehr früh eine länderübergreifende Allianz bildete: die SAS Scandinavian Airline s System aus den drei Mitgliedstaaten Dänemark, Norwegen und Schweden. Mehr als 60 Jahre hält diese Marke, auch wenn nicht mehr alles so ist, wie am Anfang. ,,Wo steht die SAS heute?" wollten wir von der neuen DeutschlandChefin Elisabeth Milton Hemmingsen wissen. Lesen Sie die Antwort und die spannende Geschichte der skandinavischen Airline ab Seite 8. ,,Kommen Sie gesund zurück!" Das wünschen wir natürlich allen Flugreisenden, es ist aber auch der Titel einer Reportage über eine Dienstleistung am Airport, die viele nicht kennen. Das BADZentrum bietet Ge sundheitsvor sorge und Reisemedizin direkt am Airport an. Wir haben einen Passagier bei seiner Reisevorb ereitung nach Kuba begleitet. Viel Spaß beim Lesen. Christoph Blume Sprecher der Geschäftsführung Impressum Das Magazin. Die Kundenzeitschrift der Flughafen Düsseldorf GmbH Chronik Düsseldorf International . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 Herausgeber Flughafen Düsseldorf GmbH Consumer Marketing Leitung Eckhard Mischke Redaktionsleitung KarlHeinz Morawietz Jör n Bücher Flughafen Düsseldorf GmbH Marketingkommunikation Po stfach 30 03 63 4 0 4 03 Düsseldorf Telefon 02 11 421 24 950 Fax 02 11 421 27 60 Email dasmagazin@dusint.de V.i.S.d.P. für die Rubrik ,,Basis for Business" Dr. Andrea Gränzdörffer Messe Düsseldorf GmbH Design KarlHeinz Morawietz Weitere Beiträge Andreas Tölke (Seite 1425) I H K Düsseldorf (Seite 2832) Fotos Jör n Bücher (Seite 5055) Dr. Gerhard Eschenbaum (Seite 2425), Paul Esser (Seite 27) Kathar ina Gossow (Seite 1421), Wolfgang Mendorf (Seite 1, 11 u. re., 13 u. re., 43 u.) KarlHeinz Morawietz (Seite 1 li., 3, 10, 13 o. re., 3042, 43 o.) Andreas Spaeth (Seite 7) Andreas Wiese (Seite 6, 89, 11 li., 13 li., 22, 28, 4448, 5661, 6470) Archiv FDG (Seite 11 o. re.) Anzeigenmarketing Chr istophe Brandenburger Airport Communications Telefon +33 4 67 07 12 10 Email c.brandenburger@airportcom.com Litho Donner & Nagel GmbH Medientechnik, Essen Druck Druckerei Schmidt, Lünen gedruckt auf Novatech matt ,,D as Magazin" ist auch im Abonnement erhältlich. Drei Ausgaben kosten 19 Euro inklusive Versand. Bankverbindung: Stadtsparkasse Düsseldorf, Konto 58 000 019, BLZ 300 501 10 Stichwort ,,Kundenmagazin" AirlinePortrait SAS Ein Stück Skandinavien. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 Destination Miami Pop Art meets Art Déco . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 Kleine Fluggastbefragung Celina Körber aus Mülheim. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 IHK Boarding for International Business. . . . . . . . . . . . . . . . 24 Destination Stockholm Le Caravelle Club. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 Ai r l i n e Po r t r a i t SAS Ein Stück Skandinavien 8 Das Maga in. Ju i 2008 Das Magazin. Juli 2008 9 Reportage Boarding for International Business Mit der IHK zu den Weltmärkten 24 Das Maga in. Ju i 2008 Das Magazin. Juli 2008 25 Inhalt Movements. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40 Der WachstumsManager. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44 Airport City Porsche Zeitlos schön. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50 Reportage Kommen Sie gesund wieder. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56 NonAviation Melodien für Millionen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60 Messe Düsseldorf Basis for Business drupa city Ian Hume hat alles im Blick. . . . . . . . . . . . . . . . . . 64 B asis for Business drupa city. Ian Hume hat alles im Blick 68 Das Magazin. Juli 2008 as Magazin. Ju i 2008 69 D estination Was macht ein ,,Expansion Manger"? Der Lufthanseat Carsten Wirths erzählt über seine Aufgabe in Düsseldorf. Miami Pop Art meets Art Déco Die Stadt erfindet sich neu, aber die Vergangenheit macht auch Spaß 14 Das Magazin. Juli 2008 Das Magazin. Ju i 2008 15 Ai r l i n e Po r t r a i t SAS 8 Das Magazin. Juli 2008 Ein Stück Skandinavien Das Magazin. Juli 2008 9 Ai r l i n e Po r t r a i t Elisabeth Milton Hemmingsen AS ist die älteste LuftfahrtVereinigung der Welt. Bereits 19 4 6 beschlossen die Länder Dänemark, Norwegen und Schweden die Gründung des ,,Scandinavian Airline s System" und gaben die Idee einer jeweiligen eigenen nationalen Fluglinie auf. Eine sehr visionäre Entscheidung, die kluge Strategen damals getroffen haben. Denn zum einen wurde der Name ,,Scandinavian" so in der Welt bekannter, zum anderen gab es jetzt nur eine Airline für die 2 0 Millionen Menschen, die in den drei Ländern lebten. Für drei voneinander unabhängige Fluggesellschaften, die weltweite Ziele anfliegen wollen, wäre der Markt viel zu klein. In den drei Staaten wohnen gerade soviele Menschen wie im gesamten Einzugsgebiet des Düsseldorfer Flughafens. Heute besteht SAS sogar aus vier rechtlich unabhängigen Fluggesellschaften der drei Mitgliedstaaten sowie der ,,SAS International", die für Interkontflüge von Kopenhagen und Stockholm aus verantwortlich ist. ,,Aber für den Kunden gibt es nur eine Marke: SAS", erklärt Elisabeth Milton Hemmingsen, die in Frankfurt die Geschicke der multinationalen Fluglinie für Deutschland leitet. Seit Februar ist die gebürtige Schwedin als ,,General Manager Germany" in dieser Position. Vor ihr auf dem Tisch liegt eine Deutschlandkarte mit den neun SASZielen. ,,Der Markt hier funktioniert ganz anders, als beispielsweise in Frankreich oder Großbritannien", sagt sie. ,,Frankfurt ist natürlich wichtig als großes Drehkreuz des Star AlliancePartner s Lufthansa. Danach folgt schon Düsseldorf, noch vor München. Im Westen und Südwesten Deutschlands sitzen die Geschäftskunden." Und auf die hat es SAS besonder s abgesehen. Mit interessan S ten Angeboten. So gibt es auf allen Flügen zwischen Düsseldorf und Skandinavien drei Klassen an Bord: Zwischen der Business und Economy steht Reisenden die Economy Extra zur Verfügung. Die Tarife liegen deutlich unter dem Preis für ein BusinessTicket, es gibt Vorteile beim Checkin und die Flüge sind flexibel umbuchbar. SAS will für jeden Passagier das richtige Angebot haben. ,,Städtetr ips nach Kopenhagen sind von Düsseldorf aus schon ab 60 Euro buchbar", so Elisabeth Milton Hemming sen weiter. Auf den europäischen Strecken sieht sie in den Billigflieger n die stärkste Konkurrenz. Im weltweiten Wettbewerb findet das Kräftemessen zwischen den globalen Allianzen statt. Zusammen bieten SAS und Lufthansa jede Woche 600 Flüge zwischen Deutschland und Skandinavien an. SAS legt dab ei besonderen Wert darauf, dass sie als eigenständige Airline erkennbar bleibt. ,,Eine starke Marke SAS ist uns sehr wichtig", betont die DeutschlandChefin nochmals. ,,Wir wollen den Kunden ein skandinavische s Produkt bieten. Mit allen positiven Assoziationen, die die Menschen mit den nordischen Ländern ohnehin schon verbinden: sauber, klar, umweltfreundlich und sicher. Dies gelingt uns insbesondere in unseren Lounge s auf unseren Heimatflughäfen, die regelmäßig die besten Bewertungen bei Kundenumfragen bekommen." SAS hat in Deutschland eine eigene Organisationsstruktur mit mehr als 50 Mitarbeitern. Davon arbeiten etwa zwei Drittel im Verkauf, die anderen an den Flughäfen und b ei SAS Cargo. ,,Priorität im Verkauf haben natürlich SASFlüge. Dabei versuchen wir auch, unsere Hubs in Stockholm und vor allem Kopenhagen zu füttern." Von den skandinavi 10 Das Magazin. Juli 2008 SAS Historie 1946 wird SAS als Fusion verschiedener skandinavischer Fluglinien gegrünet und beginnt mit Flügen zwischen Stockholm und New York. Als erste Airline fliegt SAS 1952 mit einem Passagierflugzeug über die Arktis. Ab 1959 flog die Caravelle bei SAS. Düsseldorf war damals eine der ersten Stationen, die angeflogen wurden. Seit 1966 fliegt SAS über den Pol nach Seattle. Die USDestination wird heute noch bedient. Zw i s ch e n durch gingen die Skandinavier auch bei uns auf Langstrecke: Mit Douglas DC8 von Kopenhagen über Düsseldorf nach Lagos. Die SASJumbos waren in 70er Jahren auf Messeflügen zu Gast am Rhein. Das Magazin. Juli 2008 11 Ai r l i n e Po r t r a i t schen Airports aus existieren ausgezeichnete Verbindungen, zum Beispiel nach Japan und China, sowie ab Oktober nach Delhi, aber auch in den Nordwesten der USA, nach Seattle. Elisabeth Milton Hemmingsen kennt sich in Deutschland gut aus. Bevor sie nach ihrem Betriebs und Volkswirtschaftsstudium 1994 bei SAS anfing, ist sie kreuz und quer durch das Land gefahren. Auf Tournee im Ensemble von ,,Holiday on Ice". ,,Ich war vorher zehn Jahre lang Mitglied SAS Fakten Internet www.flysas.de Destinationen 855 Ziele weltweit im Star Alliance Verbund 12 eigene Langstreckenflüge von Kopenhagen und Stockholm Passagiere 2007 31,2 Millionen Mitarbeiter 25.516 Flüge 2007 54.685 Flotte 7 Airbus A340 4 Airbus A330 4 Airbus A319 8 Airbus A319 28 Boeing B737600/700/800 42 McDonnell Douglas MD80 fest bestellt 27 Bombardier Regiojet 900 tr y Manager in Litauen gearbeitet, danach die Airline verlassen und von 2002 bis 2005 das Projekt ,,International Marketing of the Oresund Region" geleitet. Dabei sollte die Region zwischen Dänemark und Südschweden stärker in den Blickpunkt des touristischen Interesses gerückt werden. Als Area Managerin für Nordosteuropa kehrte sie wieder zu SAS zurück. Die Er innerung an die deutsche Sprache aus der Schulzeit kommt langsam wieder. Bei der Energie, mit der sie ihre 60StundenWoche bewätigt, wird e s wahrscheinlich auch nicht lange dauer n, bis ihr Deutsch fließend sein wird. Zuhause wird ohnehin zweisprachig gelebt, Dänisch und Schwedisch gesprochen. Der achtjährige Sohn geht ab Herbst auf die internationale Schule in Frankfurt. ,,Leider intere ssiert er sich überhaupt nicht für Eishockey, unseren Nationalsport Nummer eins,", sagt seine Mutter, ,,sondern hat nur Fussball im Kopf." Beste Voraussetzungen, sich schnell zu integrieren. ,,Ich hatte mehrere Möglichkeiten, für SAS im Ausland zu arbeiten,", sagt Milton Hemming sen. Aber die Familie wäre nur wegen der Karriere nicht überall hin mitgegangen. ,,Mein Mann hat bei Deutschland schließlich zugestimmt." In den ersten Monaten in ihrer neuen Position hat sie mit allen Mitarb eiter n im ganzen Land mindestens ein 30minütiges Gespräch geführt und sich vorgestellt. Auch das gehört zum nordischen Selbstverständnis. Wichtig ist ein motiviertes Team. Schließlich ist Deutschland nach Großbritannien der wichtigste Markt für SAS außerhalb Skandinaviens. In ihrem Kernmarkt Nordeuropa ist die Airline Marktführer. Wachsen will SAS dennoch, durchschnittlich fünf Prozent mehr Passagiere sollen bis 2011 in jeden Jahr hinzukommen. Dazu konzentrieren sich die Skandinavier auf das, was sie am Besten können: Die Fliegerei und den Betr ieb einer Airline. Und in diesem Bereich stehen in der nächszten Zeit einige Veränderungen an. Noch Ende die sen Jahres kommen für die bereits still gelegten DHC8 TurbopropMaschinen neue Bombardier Regionaljets 900 zur Flotte. 27 dieser moder nen Zweistrahler sind fest bestellt, knapp 100 Passagiere passen in solch ein Flugzeug. Damit haben Regionalflugzeuge heute die Kapazität der ersten Kurzstreckenjets wie Boeing 737 und Douglas DC9 aus den späten 60er Jahren erreicht. Apropo s DC9, der Nachfolger, die McDonnell Douglas MD80 steht noch immer bei SAS in Dienst. Ein ,,Arb eitspferd", das noch einige Jahre bei der Airline vor sich hat. Daneb en fliegt SAS mit einer gemischten Airbus und BoeingFlotte auf den Kurz und Mittelstrecken und mit Airbus A330 und A340 auf den Lang strecken. Viele Dinge, die heute im Luftverkehr selbstverständlich sind, hat SAS zuer st eingeführt. Bereits 1968 gab e s auf den New YorkFlügen ein InflightUnterhaltung sprogramm. Turi Wideroe war ein Jahr später die erste Pilotin bei einer westlichen Fluglinie. 1977 startete SAS das Gymnastikprogramm ,,Exercise in the chair" auf Langstreckenflügen und 1992 standen die ersten Schlafsessel in einem SASFlugzeug. Übrigens, was macht Elisabeth Milton Hemmingsen, um sich zu entspannen? Natürlich Sport. ,,Wir versuchen so oft wie möglich mit der ganzen Familie Ski zu fahren. Ansonsten fließt viel Energie, Engagament und auch Geld in unser Ferienhaus in Dänemark." der schwedischen EiskunstlaufNationalmannschaft", erwähnt sie ganz b e scheiden. Der Sport hat sie bis heute nicht losgelassen, auch wenn e s nicht mehr das Eislaufen ist. Gemeinsam mit ihrem Mann, einem dänischen Musiker, hat sie im Frühjahr den Halbmarathon in Brüssel absolviert, für die Teilnahme beim Herbstlauf in Stockholm sind die b eiden schon fest angemeldet. Die Schwedin liebt das Internationale. Sie hat drei Jahre für SAS als Coun 12 Das Magazin. Juli 2008 SAS Historie 1979 wird die Business Class auf den Langstreckenflügen eingeführt. Im Jahre 1986 gründet SAS die spanische Fluglinie Spanair. Beteiligungen an weiteren Airlines sollen in der Zukunft folgen. Zum 50. Geburtstag fliegt SAS 1996 103 Ziele in 34 Ländern an. 1997 gehört SAS zu den fünf Gründungsmitgliedern der Star Alliance. Heute gehören die folgenden Fluggesellschaften zur SASGruppe: Widerøe, die regionale Routen innerhalb Norwegens anfliegt, die finnische Blue 1, Air Baltic und Estonian Air. Das Magazin. Juli 2008 13 Carsten Wirths 44 Das Magazin. Juli 2008 Der WachstumsManager Das Magazin. Juli 2008 45 ar sten Wirths lebt mit seiner Familie in Köln, vor einem dreiviertel Jahr ist der Arbeitsplatz des Lufthansaten von Frankfurt nach Düsseldorf gewandert. ,,Endlich wieder ein kurzer und schneller Weg zur Arbeit", freut er sich. Denn aus dem Südosten der Domstadt bis zum Flughafen Düsseldorf im Norden der Landeshauptstadt dauert die Fahrt nur eine knappe Stunde. In einer Stunde ist man von Düsseldorf aus mit dem Flugzeug in den wichtigsten Metropolen Europas. Die zentrale Lage des drittgrößten deutschen Airports mitten in der bevölkerung sreichsten Region der Republik ist der Grund, warum Carsten Wirths genau hier arbeitet. Der 39jähr ige ist als ,,Director Expansion Düsseldorf" bei Lufthansa für das Wachstum der Kranichlinie in NordrheinWe stfalen verantwortlich. ,,Der reibungslose Start der drei Langstreckenflüge nach New York, Chicago und Toronto am 1. Mai stand anfangs im Mittelpunkt meiner Aufgaben", sagt Wirths. Viel Zeit zur Vorbereitung hatte er nicht. Am 1. November 2007 stand er in einem leeren Büro am Flughafen. Nur noch sechs Monate, bis Lufthansa drei Airbus A340Flugzeuge mit jeweils 221 Plätzen in Düsseldorf stationieren würde. Neben sich ein erfahrenes Team um den Stationsleiter JensUwe Boldt, das in den Jahren davor schon tägliche C Nonstopflüge in die USA abgefertigt hat: zwei 48sitzige Airbus A319, die ausschließlich mit BusinessSesseln ausgestattet waren. Die neuen Flüge stellen aber eine ganz andere Herausforderung dar. ,,Wir müssen täglich fast 700 Plätze über den Nordatlantik verkaufen, das funktioniert nicht nur mit Passagieren von und nach Düsseldorf. Wir brauchen Umsteiger, um mit den großen Flugzeugen profitabel zu fliegen", erklärt Wirths. Anfang Juni, einen Monat nach dem Start der Flüge, zieht er eine erste positive Bilanz. Alle drei Flieger sind sehr gut gebucht. Der Anteil der Umsteiger hat die Lufthanseaten positiv üb errascht: Es sind noch mehr als angenommen. ,,Natürlich haben wir uns im voraus überlegt, welche europäischen und deutschen Städte ideale Anschlüsse an diese Langstreckenflüge haben", sagt Wirths. ,,Aber wirklich planen können Sie so etwas nicht." Besonders die frühe Ankunft de s TorontoFluges kurz nach sechs Uhr morgens bietet zahlreiche Anschlussmöglichkeiten. Plötzlich sah er sich einem regelrechten ,,Ansturm" auf die Flüge von Düsseldorf nach Belgrad gegenüber. Hier wird planmäßig ein Canadair Regionaljet mit 5 0 Plätzen eingesetzt, der auf CityVerbindungen innerhalb Europas typischerweise von Geschäftsleuten mit wenig Koffern genutzt wird. Entsprechend knapp sind die Kapazitäten im Gepäckraum. Jetzt wollten Umsteiger aus Kanada mit ihrem kompletten Langstreckengepäck in die serbische Metropole. Carsten Wirths brauchte dringend einen größeren Flieger. ,,72 Stunden Vorlauf sind das Minimum, um ein anderes Flugzeug zu bekommen." Eine Herausforderung nicht nur für die Kollegen in Düsseldorf, sondern auch für die Einsatzzentrale in Frankfurt. Bis das größere Flugzeug eingesetzt werden konnte, musste das ,,Kofferproblem" gelöst werden. Unvorhergesehener Alltag für den ,,Expansion Manager". Das Gepäck kam auf LufthansaFlügen über Frankfurt schließlich doch noch schnell zu seinem Bestimmungsort in Osteuropa. Carsten Wirths sieht seine Rolle aber keineswegs nur als ,,Feuerwehrmann", der die täglichen Probleme lösen muss. Er möchte viel mehr auch ein ,,Botschafter für Düsseldorf" innerhalb des LufthansaKonzerns sein. Die Airline will hier schließlich weiter wachsen, und dies nicht nur auf den Interkontstrecken, die im Augenblick besonders im Mittelpunkt de s Interesses stehen. In den vergangen Jahren ist die Zahl der LufthansaDe stinationen ab Düsseldorf von etwas mehr als 20 auf über 60 NonstopZiele gestiegen. Der nächste Schr itt in der Strategie ist der Einsatz von größeren Flugzeugen auf die sen Strecken. ,,Wir wollen die kleineren CanadairJets durch größere Modelle mit 70 und mehr Plätzen sowie Boeing 737 Flugzeuge ablösen", sagt der ehemalige Unternehmensberater Wirths. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaft mit einem Schwerpunkt in Logistik hat der gebürtige Kölner drei Jahre das ConsultingGe schäft von innen kennengeler nt. Danach folgte eine Berufsstation bei Lufthansa Cargo und späte stens dort hatte den zweifachen Familienvater der Virus ,,Luftfahrt" dann endgültig gepackt. Es folgte der Wechsel innerhalb des Konzerns zu Lufthansa, wo Wirths in den 90er Jahren an dem internen Kostensenkung sprogramm ,,DCheck" mitarb eitete. ,,Bei einem DCheck wird ein Flugzeug vollständig auseinandergenommen, alle Teile überprüft und wieder zusammengesetzt. Genau das haben wir mit dem Unternehmen Lufthansa auch gemacht", erläutert Wirths. Mit Erfolg, wenn man sieht, wie die deutsche Airline heute im Vergleich zum Wettbewerb dasteht. Nach einer weiteren Station im Konzern, bei der Carsten Wirths die Entgelte, die die Airline beispielsweise an die Deutsche Flugsicherung und Flughäfen zu zahlen hatte, genauer unter die Lupe nahm ist der DiplomKaufmann schließlich in Düsseldorf gelandet. In einer Position, wie es sie bei Lufthansa einmalig nur hier gibt. 46 Das Magazin. Juli 2008 Das Magazin. Juli 2008 47 Damit aus Wünschen auch Wirklichkeit wird, sieht Wirths einen Teil seine s Jobs auch als LobbyArbeit. Gemeinsam mit dem Flughafen will er den Prozess auch politisch begleiten. In Verbänden und in direktem Kontakt mit Politikern. ,,Hier haben wir sicher gemeinsame Interessen." Von einem klassischen Drehkreuz, wie es Frankfurt, München und Zür ich für die Lufthansa sind, will er im Falle Düsseldorf aber nicht sprechen. ,,Wir haben keinen festen Begr iff für den ,,Ausnahmefall" Düsseldorf. Nennen Sie es Standort mit Umsteige strukturen, MiniHub oder auch Focus City. Die Verkehrszahlen stimmen, die Begrifflichkeiten sind nicht so wichtig." Die Zuwächse am größten NRWAirport fehlen der Lufthansa auch nicht auf anderen Strecken. ,,Das gesamte Passagieraufkommen in Düsseldorf ist tatsächlich reines Wachstum." Denn das Flugverhalten der Passagiere ist beeinflußbar. ,,Passagiere fliegen lieber direkt", das weiß der Lufthanseat Wirths auch. Wenn dann noch günstige Flugzeiten sowie schnelle und bequeme Umsteigemöglichkeiten dazu kommen, dann ist das Flugangebot über Düsseldorf für viele Gäste schon sehr attraktiv. Dennoch sind die Strecken keine Selbstläufer. Die Kollegen im LufthansaVertr ieb arbeiten hart für den Erfolg der Verbindungen. Sie werden an den verkauften Tickets üb er Firmenstellen und Reisebüros direkt gemessen. Car sten Wirths und seine Kollegen aus dem Marketing und der Kommunikation sehen sich erst am Anfang ihres Jobs. ,,Wir haben uns bislang auf den Großraum Düsseldorf konzentr iert, es gibt noch viel zu tun, um die Marke Lufthansa und unser Produkt in der Region richtig zu positionieren." Der Aufschwung an Deutschlands drittgrößtem Airport ist für den Kranich noch lange nicht zu Ende. ,,Sie werden mir noch einige Zeit hier am Airport begegnen", prognostiziert er schmunzelnd. ,,Denn unser Wachstum hier wollen wir noch lange fortsetzen." 48 Das Magazin. Juli 2008 NonAviation Melodien 60 Das Magazin. Juli 2008 für Millionen Der Pianist Haik Hakopian enn Haik Hakopian in die Tasten greift, hören ihm Millionen zu. Zwar nicht gleichzeitig, dafür aber aus aller Welt. Der gebürtige Iraner unterhält die internationale Kundschaft des Düsseldorfer Flughafens vor ihrem Abflug mit Klaviermusik. Montags bis freitags von 17 bis 20 Uhr ist er an seinem Stammplatz, dem Flügel mitten im Terminal, zu finden und obwohl er ein Mensch der leisen Töne ist bleibt er unüberhörbar. ,,Time to say good bye" (allerdings mit Happy End) wäre der passende Refrain zur Verabschiedung in die weite Welt. Ein letzter Gruß vom Airport. Der Flieger wartet nicht. Ein Pianist an einem Airport? Das klingt eher ungewöhnlich, das erwartet niemand. Ruhe, Entspannung, Muße zum Zuhören an einem Ort, der durch rege Betriebsamkeit gekennzeichnet ist, das geht doch gar nicht, oder? Wer zum Airport kommt, der ist gedanklich doch schon am Strand oder beim Meeting. Wer nimmt sich da schon die Zeit, stehen zu bleib en und kurz abzuschalten. Um wie viel Uhr war das Checkin, wann müssen wir am Gate sein? Wollen wir noch etwas in den Airport Arkaden b e sorgen? Letzter Aufruf für... Die Zeit rast an einem Flughafen. Schließlich hat man sich fürs Flugzeug entschieden, um möglichst schnell zu seinem Ziel zu kommen. Und dann die s: dezente Pianomusik. Seichte Klänge aus bekannten Musicals, Filmmusik, Evergreens und Klassiker. W Bei Haik Hakopian ist von der beschr ieb enen Hektik nichts spüren. Der Pianist strahlt eine Ruhe aus, die jeden gestressten Manager sofort ,,herunter kommen" lässt und quengelnde Kinder handzahm macht. Wer Haik Hakopian kennen lernt, der merkt sofort: dieser Mann ruht in sich. Und die Musik gibt ihm die Kraft dazu. ,,Ich möchte nicht stören", kommt er ganz zurückhaltend daher. Die Bescheidenheit hat er gar nicht nötig. Schließlich war er im Iran einmal ein ganz bekannter Musiker. Aber diese Bescheidenheit entspricht seinem Selbstverständnis. Leise will er sein, sich nicht aufdrängen. Am liebsten im Hintergrund bleib en. Das ist aber nicht so einfach. Er ist derjenige, der über seine Musik mit anderen in Kontakt tritt. Der Signale aussendet, Botschaften vermittelt. Andere anspricht. ,,Was ich mache, mögen die Leute!" Recht hat er. Es gibt vorteilhaftere Locations für einen Pianisten, um mit seinem ganzen Können wahrgenommen zu werden, als ein Flughafen. ,,Es ist schon manchmal schwierig, die Aufmerksamkeit zu bekommen", gibt er zu. ,,Ich erwarte auch nicht, dass die Leute stehen bleiben", sagt Haik Hakopian und macht sich mit dieser Aussage gleich wieder kleiner als er ist. Aber zwischen all den Geschäftsreisenden, Urlaubsfluggästen, turmhohen Trolleys und Lautsprecherdurchsagen schafft er es immer wieder, die Menschen anzusprechen. Vielleicht setzt sich jemand für ein Das Magazin. Juli 2008 61 NonAviation paar Takte in die b2bBar, direkt neb en sein Piano oder schenkt ihm ein flüchtige s Lächeln, bevor die Koffer hinter der freundlichen Dame am Checkin im Nichts verschwinden. Natürlich erfüllt er auch Musikwünsche. Es kommt nicht allzu oft vor, dass ihn deswegen jemand anspricht. Wenn es aber geschieht, kann der Zuhörer davon ausgehen, dass er eine ganz individuelle Interpretation seine s Wunschtitels bekommt. ,,Ich versuche jedes Lied, dass ich schon mal ge spielt habe, neu zu deuten", sagt der 60jährige. Was spricht bei solchen Angeb oten eigentlich dagegen, Haik Hakopian einfach mal so am Flughafen zu besuchen, um sich ein Lied b ei ihm zu wünschen. Ein Airport ist schließlich weit mehr als die Summe aus Starts und Landungen. Seit 1999 hat Haik Hakopian seinen fe sten Platz am Düsseldorfer Flughafen. Anfangs als das neue Terminal noch in Bau war spielte er im Flugsteig A. Vornehmlich Geschäftsreisende kamen dort in den Genuss, mit eingängigen Melodien auf die Reise geschickt zu werden. Seit 2002 trifft man Haik Hakopian mitten im Terminal an. Dabei, so gibt er zu, ist sein Lieblingsort, an dem er Klavier spielt, sein Zimmer. Hier übt er ununterbrochen. Manchmal 12 bis15 Stunden am Tag. Manchmal bis Hände und Schultern schmerzen. Obwohl er seit vielen Jahren vor Publikum auftritt und als Studiomusiker arbeitet. Neben seiner Be scheidenheit ist ihm ein Hang zum Perfektionismus nicht abzusprechen. Warum kann sich ein bereits erstklassiger Pianist nicht mit dem Erreichten zufrieden geben? Haik Hakopian hat eine einfache Erklärung dafür. ,,Das Klavier spielen habe ich erst sehr spät angefangen." Spät ist für ihn mit 40 Jahren. ,,Um es wirklich perfekt zu beherrschen muss ich viel mehr Zeit investieren, als wenn ich das Instrument b ereits als Kind erlernt hätte. Ganz anders die Gitarre. Damit ist er groß geworden. Die ersten Akkorde griff er schon als Kind. Damals in Teheran, wo er auch aufgewachsen ist. Seitdem hat ihn die Musik infiziert, davon kommt er nicht mehr los, das ist sein Lebenselexier. Als Jugendlicher war für ihn klar, in der Musik liegt meine Zukunft. Bevor die Ajatollahs im Iran die Macht übernahmen und einen streng schiitischislamistischen Gotte staat ausriefen, in dem jegliche freie Kultur verboten war, gab es dort Clubs, Restaurants und Bars wie in jeder anderen Großstadt der Welt auch. Mit 16 Jahren stand Haik Hakopian bereits auf der Bühne. 62 Das Magazin. Juli 2008 Er konnte Gitarre und Bassgitarre spielen und auch singen. Dass der Vater von der angehenden Karriere seine s Sprösslings anfangs gar nicht begeistert war, ist vielleicht verständlich. Schließlich möchten doch alle Elter n, dass die Kinder etwas ,,Vernünftige s" machen. Und Musik gilt für viele als brotlose Kunst. Mit Arb eitszeiten dann, wenn andere Feierab end haben. Herumlungern in Spelunken. Gerät das Kind gar auf eine schiefe Bahn? Als dann aber der Gehaltsscheck dicker als der des Vaters wurde, wurde die oppositionelle Haltung des Vaters immer schwächer. Mit seiner Band ,,Piccolo" tourte Haik Hakopian durch ganz Iran. Italienische Schlager waren in den 70erJahren schwer angesagt. Später kamen amerikanische Standards von Frank Sinatra und anderen Showgrößen hinzu. Der Name Haik Hakopian war ein Begriff in Persien. In verschiedenen Projekten versuchte er auch iranische und westliche Einflüsse in der Musik zusammen zu br ingen. Was folgte war eine Anstellung beim per sischen Kulturministerium. Zu die ser Zeit spielte er auch im Palast de s Schahs und zu offiziellen Anlässen. Der Tag war vollgepackt mit Ter minen. Morgens ging es ins Studio, nachmittags und am frühen Ab end wurde im und fürs Kulturminister ium aufgetreten und abends in den Clubs. Nebenbei betrieb er noch zwei Geschäfte, ein Musikgeschäft und einen Laden, in dem es bespielte Musikcassetten zu kaufen gab. Spätestens als der Schiitenführer aus dem französischen Exil zurückkehrte, den Schah fortjagte und unter Anwendung brachialer Gewalt die Herrschaft im Iran durchsetzte, war mit der Musikkarriere des stillen Pianisten Schluss. Auswandern galt als einzige Möglichkeit, den Interessen und Klauen der neuen Machthaber zu entgehen. 1979, mit 30 Jahren, verließ Haik Hakopian seine Heimat. Was folgte, war eine mehr oder weniger freiwillige ,,Welttournee". Dreieinhalb Jahre tingelt er durch englische Clubs, drei Jahre durch amerikanische, in Las Vegas versuchte er einem Sänger zu einer internationalen Karriere zu verhelfen, im schweizer ischen Lausanne gab er für sechs Monate ein Gastspiel und auch in Gr iechenland blieb er eine Weile. Seine Mutter, die schließlich 1983 aus dem Iran auswanderte, lebt mittler weile in Kanada, ebenso seine Schwe ster, die er so oft wie möglich b e sucht. Seine vorläufige Heimat hat er aber in Düsseldorf gefunden. Seit 1987 lebt er in Deutschland. Seine damalige Freundin hatte ihn auf eine Anzeige aufmerksam gemacht, worin ein Pianist gesucht würde. Damals lebten beide in London. Er ließ sich üb erreden. Seitdem erklingen seine Melodien an verschiedensten Orten. In Hotellobbys, auf kleinen Bühnen und auf dem Düsseldorfer Flughafen. Ein Freund aus Paris möchte, dass er demnächst mit ihm in der französischen Hauptstadt eine CD aufnimmt. Ein paar Studiotage in der Stadt der Liebe. Das bringt Abwechslung in den Künstleralltag. Wer kann da schon nein sagen. Das Piano im Abflug bleibt solange verwaist. Das Magazin. Juli 2008 63
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